Gemeinsame Pressemitteilung des AfS und VDS
PRESSEMITTEILUNG
Zur gemeinsamen Aktion von vds und AfS
„Für Musikunterricht – gegen Stundenkürzung“
Am 29. April 2006 versammelten sich rund 500 Lehrer, Schüler und Eltern um „mit Pauken und Trompeten“ gegen Stundenkürzungen und eine schleichende Verdrängung des Musikunterrichts zu demonstrieren. Gemeinsam wollte man dagegen vorgehen, dass ab dem nächsten Schuljahr Musikunterricht in vielen Schulformen nur noch mit einer Wochenstunde statt zwei unterrichtet wird und in der zehnten Klasse die Möglichkeit besteht, Musik ganz abzuwählen, wodurch Oberstufen- und Leistungskurse sowie das Konzept der Streicher- und Bläserklassen gefährdet sind. Kälte und Dauerregen waren schnell vergessen, als Samba- und Fasstrommel-Gruppe, Bigband und Chor aufspielten um zu fordern: Zwei Wochenstunden Musikunterricht in allen Klassenstufen und allen Schulformen.
Die Musiklehrerverbände vds und AfS hatten sich eigens zu dieser Aktion zusammen geschlossen, um ihre Kräfte für ein gemeinsames Ziel zu bündeln. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Prominente aus Kultur und Politik unterstützten die Aktion mit schriftlichen Stellungnahmen wie z. B. Daniel Barenboim, Richard von Weizsäcker, die Berliner Philharmoniker, die Kulturkaufhaus-Gruppe Dussmann, der Landesmusikrat Berlin, die Akademie der Künste und die Universität der Künste (um nur einige zu nennen). Presseorgane wie z. B. „Der Tagesspiegel“, die „Berliner Morgenpost“, „Die Welt“ und das „Neue Deutschland“ sowie einige Sender beachteten die Aktion durch umfangreiche Berichterstattung.
„Musik ist Prävention gegen geistige Verarmung, gegen Langeweile und Frust; Elemente, die – wenn sie zusammenkommen – sich allzu schnell in Gewalt niederschlagen. Wer in die Gemütsbildung von Menschen investiert, kann bei der Polizei sparen. Es geht um weit mehr als um eine Stunde Musikunterricht pro Woche. Es geht um ein ganzheitliches Menschenbild. Wie soll ein Kind ein Verhältnis zu einer gesunden Ernährung bekommen, wenn es nicht mehr erlebt, dass zu Hause gekocht wird; wie soll es erfahren, dass ein Buch eine bisher unbekannte Welt erschließen kann, wenn niemand in seiner Umgebung liest?“, so fokussierte Wolfgang Harnischfeger, Schulleiter des Beethoven-Gymnasiums in seiner Rede, die Bedeutung von Musikunterricht.
„Musikalische Bildung, Beschäftigung mit Musik ist […] ein Schlüssel zur Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen und zur Entfaltung ihrer Kreativität, der gerade in einer gesellschaftlichen Situation, in der es ihnen schwerfällt, Werteorientierungen und Zukunftsperspektiven zu entwickeln, nötiger denn je ist.“ (Daniel Barenboim in seiner Stellungnahme)
„Mit der so genannten Flexibilisierung der Stundentafel stellt der Bildungssenator das Fach Musik in die Beliebigkeit einer PISA-orientierten Profilierungssucht. Es liegt in unserer Verantwortung, die prägenden Erfahrungen [eines guten Musikunterrichts] jedem Kind unabhängig seiner sozialen und ethischen Herkunft, zu ermöglichen. Der Landesmusikrat fordert Senator Böger erneut auf, die fatale Verdrängung des Musikunterrichts zu stoppen.“ Christian Höppner, Präsident des Landesmusikrats Berlin)
Die Senatsschulverwaltung reagierte mit ungewohnter Schnelligkeit. Bereits zwei Tage vor der Demonstration veröffentlichte sie eine Presseerklärung, die den Eindruck erweckte, Musik würde in allen Schulformen und Klassenstufen durchgängig zweistündig unterrichtet. Wer aber ganz genau las, stellte fest, dass man hier Musik und Kunst zusammengefasst hatte. Hoffen wir, dass diese „Vernebelungstaktik“ nicht fruchtet.
Friedrich Neumann (AfS), Goethestraße 61a, 16548 Glienicke, Tel: 033056-224 330, 0175-27 111 34; Mail: studioneumann@t-online.de
Dr. Hubert Kolland (vds): Windscheidstraße 2, 10627 Berlin, Tel: 030- 313 63 56, 0178-860 7376; Mail: hubkoll@aol.com


