Reaktionen der Presse

26.04.2009

Demonstration für Musikunterricht

Lehrer, Eltern und Schüler wollen am Sonnabend ab 13 Uhr vor dem Konzerthaus am Gendarmenmarkt gegen geplante Kürzungen beim Musikunterricht an Berliner Schulen protestieren. Das teilt der Landesmusikbeirat mit. dpa

28.04.2006

Experten warnen vor weiterer Verkürzung des Musikunterrichts

Von Regina Köhler

Berlins Schüler werden künftig weniger Musikunterricht haben, kritisieren Vertreter des Arbeitskreises für Schulmusik, des Verbandes Deutscher Schulmusiker sowie des Landesmusikrates. "Bis 1993 wurde Musikunterricht an Berliner Schulen in allen Schulformen der Sekundarstufe I mit zwei Wochenstunden erteilt. Danach gab es eine Reduzierung auf durchschnittlich 1,5 Stunden", sagte Friedrich Neumann vom Präsidium des Landesmusikrates. Für das Schuljahr 2006/07 stünden erneut Einschnitte bevor. "Nach den Plänen der Bildungsverwaltung wird es nur noch eine Stunde Musik pro Woche geben", warnte Neumann. Mit der geplanten Einführung des neuen Pflichtfaches Ethik werde sich die Situation noch verschärfen.

"Ausgangspunkt für die Änderung der Stundentafeln in der Sekundarstufe I ist die Verkürzung des Abiturs auf zwölf Jahre", betonte Kenneth Frisse, Sprecher der Bildungsverwaltung. Um die dadurch zunehmende zeitliche Belastung der Schüler in Grenzen zu halten, habe die Bildungsverwaltung einen Mindeststundenumfang auch für Musik festgelegt. Dieser Mindeststundenumfang könne allerdings durch Profilstunden und Wahlpflichtunterricht ergänzt werden. Durchschnittlich stünden dafür drei Stunden pro Woche zur Verfügung. "Jede Schule kann selbst entscheiden, ob sie diese Stunden für den musikalisch-künstlerischen Bereich frei hält", sagte Frisse.

"Es ist eindeutig nachgewiesen, daß gerade im Musikunterricht soziale und emotionale Kompetenzen vermittelt werden", betonte indes Hans Steinke, Fachleiter Musik am Gymnasium Steglitz. Angesichts zunehmender Gewaltbereitschaft und Aggressivität unter Kindern und Jugendlichen dürfe nicht hingenommen werden, daß die Vermittlung dieser Kompetenzen wegfalle. Steinke plädierte dafür, die Einführung des Faches Ethik flexibler zu handhaben. "Jede Schule sollte selbst entscheiden können, in welcher Jahrgangsstufe dieses Fach zum Schwerpunkt wird."

Der Arbeitskreis für Schulmusik und der Verband Deutscher Schulmusiker rufen Lehrer, Schüler und Eltern auf, sich morgen zwischen 13 und 15 Uhr auf dem Gendarmenmarkt an einer Protestaktion gegen die Verkürzung des Musikunterrichts zu beteiligen.

30.04.2006

Demonstration gegen geplante Kürzungen im Musikunterricht

Mit Pauken und Schellen haben gestern am Gendarmenmarkt rund 250 Schüler, Lehrer und Eltern gegen die geplanten Kürzungen des Musikunterrichts demonstriert. Nach dem Willen der Senats-Bildungsverwaltung soll der Musikunterricht von der neunten Klasse an von derzeit anderthalb auf eine Stunde reduziert werden. Damit "setzt man die musikalische Allgemeinbildung künftiger Generationen auf Spiel", so Hubert Kolland, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Schulmusiker. Dirigent Daniel Barenboim und Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker sind zwei der Persönlichkeiten, die sich ebenfalls gegen Kürzungen ausgesprochen haben. Unternehmer Peter Dussmann übermittelte den Demonstranten eine Grußbotschaft: "Musik gehört zur Allgemeinbildung. Deshalb unterstütze ich den Protest.“ rit

28.04.2006

Weniger Musik und Erdkunde wegen Ethik und Abi-Reform

Berlins Musik- und Erdkundelehrer bangen um ihre Fächer: Ab nächstem Schuljahr müssen sie einen Teil ihrer Unterrichtsstunden hergeben. Grund ist die Verkürzung des Abiturs auf zwölf Jahre und die Einführung von Ethik: Beides erhöht die Unterrichtsverpflichtung in den Klassen 7 bis 10 derart, dass die Stundentafel irgendwo abgespeckt werden muss. Andernfalls hätten etwa die Neuntklässler statt 34 sogar 36 Wochenstunden.

Infolge von Pisa und angesichts des Mittleren Schulabschlusses soll nicht bei Deutsch, Englisch oder Mathematik gekürzt werden. Es müssen also die so genannten „weichen“ Fächer bluten. Die Senatsverwaltung für Bildung hat das Stundensoll im musischen und gesellschaftswissenschaftlichen Bereich reduziert. Momentan zeichnet sich in den Schulen ab, dass es vor allem Musik und Erdkunde an den Kragen geht: Sie werden in einigen Jahrgangsstufen nur noch eine Stunde pro Woche oder gar nicht mehr unterrichtet, womit sich nach Ansicht der Lehrer kaum noch Inhalte vermitteln lassen. Zwar könnten Schulen selbst entscheiden, ob sie andere Fächer reduzieren. Dagegen sprechen aber die Mehrheitsverhältnisse in vielen Kollegien.

Die Erdkundelehrer haben resigniert: Sie belassen es bei einigen Protestbriefen. Einzelne Pädagogen wie die Neuköllner Referendarausbilderin Ulrike Ernst machen ihrem Unmut aber Luft und warnen davor, „in dieser globalen Welt erdkundliches Wissen zu vernachlässigen“.

Organisiert haben sich die Musiklehrer: Unter dem Dach des Landesmusikrates alarmierten sie die Öffentlichkeit und bekamen Solidaritätsadressen von Daniel Barenboim bis Richard von Weizsäcker. Morgen laden sie von 13 bis 15 Uhr zum Protestkonzert auf dem Gendarmenmarkt: Je mehr Schulmusiker ihre Instrumente mitbringen, desto mehr werden die Passanten zu hören bekommen. sve

Infos unter www.afs-musik-berlin.de oder unter Tel. 0178 / 860 73 76.

30.04.2006

Zwo, drei, vier – Protest gegen gekürzten Musikunterricht

Der Regen – kein Problem. Die Kälte – längst vergessen: Wenn 40 Schüler auf der Treppe vor dem Schauspielhaus am Gendarmenmarkt trommeln, was das Zeug hält, bleiben selbst die eiligsten Passanten stehen und wippen ein bisschen mit. Hunderte Zuhörer waren deshalb dabei, als Schüler, Musiklehrer und Eltern etlicher Berliner Schulen gestern mit Pauken und Trompeten, mit Saxophon, Schellen und Chorliedern auf Berlins schönsten Platz zogen und ein Protestkonzert gaben – gegen „die Verdrängung des Musikunterrichts aus den Schulen.“

Wie berichtet sollen die Klassen 7 bis 10 vom nächsten Schuljahr an nur noch eine statt bisher zwei Musikstunden pro Woche haben. Denn die geplante Verkürzung des Abiturs und die Einführung des Faches Ethik erhöhen die Gesamtzahl der Pflichtstunden derart, dass irgendwo abgespeckt werden muss. Aber bei Deutsch, Englisch oder Mathe will der Senat dies nicht zulassen, also bleiben nur die musischen oder gesellschaftswissenschaftlichen Fächer, deren Pflichtstunden nun entsprechend reduziert wurden.

Für viele protestierende Schüler und Lehrer ist das eine falsche Entscheidung. Ihre Schulbands brauchen Nachwuchs. Aber wo soll der herkommen, „wenn es nur noch eine Stunde pro Woche Musik gibt“, fragt Janina und Marcella vom Chor der Marie Curie-Oberschule in Wilmersdorf. „Da lernt man ja nicht mal die Noten richtig. Und schon gar nicht den Spaß am Musizieren.“ Cs

29.04.2006

Protest gegen den Abbau von Musikunterricht

Von Tobias Müller

Die Schulmusiker fürchten, dass das Fach Musik in den Berliner Schulen langsam verdrängt wird. Der Grund dafür sind die so genannten Stundenpools, über deren Verteilung die Schulen künftig selbst entscheiden. Die Stunden sind aber insgesamt gekürzt worden, um die wöchentliche Unterrichtsbelastung wegen der Schulzeitverkürzung auf zwölf Jahre nicht zu stark werden zu lassen. Künftig werde es nur noch eine Stunde Musik in der Woche geben, kritisieren die Fachverbände. Die Senatsverwaltung hält dagegen, dass die Schulen den Musikunterricht auch verstärken können. Die Musiker wollen heute von 13 bis 15 Uhr auf dem Gendarmenmarkt gegen die Kürzung protestieren. (tom.)

28.04.2006

Experten: Musikunterricht nicht kürzen

Landesmusikrat warnt vor Reduzierung auf eine Stunde pro Woche

Berlins Schüler werden künftig weniger Musikunterricht haben, kritisieren Vertreter der Fachverbände Arbeitskreis für Schulmusik, des Verbandes Deutscher Schulmusiker sowie des Landesmusikrates. "Bis 1993 wurde Musikunterricht an Berliner Schulen in allen Schulformen der Sekundarstufe I mit zwei Wochenstunden erteilt. Danach gab es eine Reduzierung auf durchschnittlich 1,5 Stunden", sagte Friedrich Neumann vom Präsidium des Landesmusikrates. Für das Schuljahr 2006/07 stünden nun erneut Einschnitte bevor. "Nach den Plänen der Bildungsverwaltung wird dann nur noch eine Stunde Musik pro Woche auf der Stundentafel stehen", warnte Neumann. Mit der geplanten Einführung des neuen Pflichtfaches Ethik werde sich die Situation noch verschärfen, fügte er hinzu.

"Ausgangspunkt für die Änderung der Stundentafeln in der Sekundarstufe I ist die Verkürzung des Abiturs auf zwölf Jahre", betonte Kenneth Frisse, Sprecher der Bildungsverwaltung. Um die dadurch zunehmende zeitliche Belastung der Schüler in Grenzen zu halten, habe die Bildungsverwaltung einen Mindeststundenumfang für sämtliche Fächer, auch für Musik, festgelegt. Dieser Mindeststundenumfang könne allerdings durch Profilstunden und Wahlpflichtunterricht ergänzt werden. Durchschnittlich stünden dafür drei Stunden pro Woche zur Verfügung. "Jede Schule kann selbst entscheiden, ob sie diese Stunden für den musikalisch-künstlerischen Bereich frei hält", sagte Frisse. Dies hänge nicht zuletzt davon ab, welches Schulprofil eine Schule entwickeln wolle.

"Es ist eindeutig nachgewiesen, daß gerade im Musikunterricht soziale und emotionale Kompetenzen vermittelt werden", betonte indes Hans Steinke, Fachleiter Musik am Gymnasium Steglitz. Der Arbeitskreis für Schulmusik und der Verband Deutscher Schulmusiker rufen dazu auf, sich morgen zwischen 13 und 15 Uhr auf dem Gendarmenmarkt an einer Protestaktion zu beteiligen.

29.04.2006

Konzertierte Aktion der Musiklehrer

Mangel an Personal und Stunden bedroht Berlins Unterricht

Von Volkmar Draeger

Berlins Musiklehrer schlagen Alarm. Ihre Verbände, der Arbeitskreis für Schulmusik (AfS) und der Verband Deutscher Schulmusiker (vds), verbünden sich sogar zu einer konzertierten Aktion. Grund dafür ist die vom Senat für Bildung, Jugend und Sport ab dem Schuljahr 2006/07 vorgegebene Stundentafel für die Sekundarstufe 1.

Die weist, verglichen mit dem Stand vor 1993, als einheitlich zwei Stunden Musik pro Woche unterrichtet wurden, faktisch eine Halbierung des Stundenangebots aus. Lediglich in den Realschulen können die Schüler der Klassen 7 bis 10 auch weiterhin auf zwei Wochenstunden Musik rechnen.

Hauptschüler werden lediglich mit einer Stunde pro Woche bedacht, Gesamtschüler der 7. und 8. Stufe ebenfalls. Für die 9. und 10. Stufe greift dasselbe Phänomen wie für die 10. Stufe der Gymnasien: Im Extremfall haben sie
gar keine Musikausbildung mehr. Der Hintergrund für das neue Stundenplansystem ist vielfältig. Bei den Gymnasien schlägt die Umstellung auf das Abitur nach 12 statt nach 13 Jahren zu Buche.

In allen Schulformen indes gilt es, die PISA-Fähigkeit der Schüler zu verbessern. Mehr gestalterische Selbstständigkeit möchte Senator Klaus Böger (SPD) deshalb den Schulen einräumen. Die Stundenzahl jedes Schülers will er fortan in ein unveränderliches Mindestsoll und einen flexiblen Stunden–Pool geteilt wissen. Dass hierin die Chance für profilierte Bildungsanstalten liegt, bestreiten die Vorsitzenden von AfS und vds, Friedrich Neumann und Hubert Kolland, nicht. Möchte künftig eine Schule verstärkt Unterricht in einem bestimmten Fach offerieren, erhalten die Lehrer aus dem flexiblen Pool zusätzliche Wochenstunden.

Das klingt gut, rechnet aber nicht mit der Konkurrenz unter den Fächern. Eine unabhängig von beiden Verbänden durchgeführte Befragung unter Musiklehrern hat ergeben, dass »harte« zeugnisrelevante Fächer wie Deutsch, Mathematik und Englisch eindeutig die Nase vorn haben. In keiner befragten Schule erhielt Musik als »weiches« Fach zusätzliche Stunden über das Mindestsoll hinaus, was einer Reduzierung des Angebots gleichkommt.

Wo für Musik und Bildende Kunst gar gemeinsam zwei Wochenstunden zur Verfügung stehen, ist der obige Fall denkbar: Niemand wählt Musik, das Fach ist draußen. Wie wenig in einem Einstundenfach erreicht werden kann, wie wichtig aber Musik auch für Kommunikation und Integration gerade in multinationalen Schulen ist, steht außer Frage.

Dem Aufschrei, Musik sei zur Plünderung freigegeben, haben sich Richard von Weizsäcker, Daniel Barenboim, Andreas Homoki, Kirsten Harms, die Dussmann-Gruppe, die Dresdner Bank als Sponsor des Jugendprogramms »Klassik is' cool!«, das Präsidium der Uni der Künste angeschlossen.

Am heutigen Sonnabend, 13-15 Uhr, formiert sich am Gendarmenmarkt der Protest: Lehrer, Schüler und Eltern, Chöre, Blasorchester und Schul–Big–Bands demonstrieren und musizieren.

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